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In zwei Schulen in Südengland lernen bulgarische Kinder Lesen und Schreiben in ihrer Muttersprache

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Foto: Privatarchiv

Vor zehn Jahren hatte das Leben Maja Manolowa nach Großbritannien verschlagen. Dort lernte sie mehrere junge bulgarische Familien kennen, die nach einer Möglichkeit für ihre Kinder suchten, Bulgarisch zu sprechen damit sie ihre Muttersprache nicht vergessen. In der Provinzstadt Bournemouth, wo sich Maja niedergelassen hatte, gab es sie nicht. Die ehrgeizige Bulgarin beschloss, eine bulgarische Schule zu eröffnen. Während sie sich um die Beschaffung der erforderlichen Unterlagen entsprechend der Gesetzgebungen Bulgariens und Großbritanniens bemühte, wurde sie von Margarita Dimitrowa aus dem benachbarten Portsmouth mit dem Vorschlag kontaktiert, auch dort eine Bulgarisch-Schule zu eröffnen. So kam es 2017 in den Grafschaften zur Eröffnung von gleich zwei bulgarischen Sonntagsschulen, die nach dem bulgarischen Aufklärer aus der Zeit der Bulgarischen Wiedergeburt Wassil Aprilow benannt wurden.

„Im ersten Jahr der Schule lernten 22 Kinder dort“, erinnert sich Maja Nikolowa. „In den nachfolgenden Jahren hat sich ihre Zahl erhöht. Für das neue Schuljahr haben sich 44 Kinder angemeldet.


 1000 Bulgaren zählt die bulgarische Gemeinschaft in Bournemouth und  Portsmouth. Die Kinder, die in den Sonntagsschulen Bulgarisch lernen, sind im Alter zwischen 5 und 12 Jahren. Die Jüngsten werden in allen Fächern unterrichtet, da sie neue Wörter aus allen Lebensbereichen lernen müssen. Ab der 1. Klasse beginnt das Erlernen der bulgarischen Sprache und Literatur nach dem obligatorischen Programm des bulgarischen Bildungsministeriums. Die älteren Schüler werden in den Fächern „Mensch und Gesellschaft“, Geschichte und Geographie Bulgariens unterrichtet.

„In Form von Interessenclubs haben wir die Fächer "Arbeit und Kreativität" und "Umwelt“ eingeführt, die die Arbeit mit natürlichen Materialien und die Präsentation bulgarischer Feiertage und Traditionen umfassen, die sich stark von denen in England unterscheiden“, erklärt Maja Nikolowa. Alle Kinder, die das Schuljahr erfolgreich abgeschlossen haben, erhalten eine Bescheinigung. Eine sehr kleine Anzahl von Familien wird nach Bulgarien zurückkehren und dieses Dokument wird  von den bulgarischen Schulen anerkannt. Sollten sich die Kinder für ein Studium an bulgarischen Universitäten entscheiden, kann es als Nachweis verwendet werden.“

Die studierte Philologin und Buchhalterin Maja Nikolowa setzt ihre ganze Seele in das ein, was sie tut und beschränkt sich nicht nur auf das Erreichte. Zu ihren interessanten Ideen gehört das Schreiben von Briefen an Gleichaltrige und virtuelle Spaziergänge in ihrer Heimatstadt Weliko Tarnowo.

„Eine meiner Ideen wird bereits realisieret“, freut sich Maja Nikolowa. „Die ersten Briefe an bulgarische Kinder in Luxemburg und Cornwall in England wurden bereits abgeschickt. Momentan versuchen wir für diese Initiative auch Kinder aus Schulen in Bulgarien zu begeistern, da es gut ist, dass unsere Schützlinge mit Kindern aus einem bulgarischen Umfeld in der Heimat kommunizieren“.

Eltern aus den drei nahe gelegenen Städten, in denen etwa 200 bulgarische Familien leben, haben ebenfalls den Wunsch geäußert, dass ihre Kinder Bulgarisch lernen. Maja Nikolowa hofft, dort bald eine Zweigstelle der Sonntagsschule eröffnen zu können.

"Das Wichtigste, was wir den Kindern beibringen möchten, ist Respekt und Toleranz für jede Sprache. Sie sollten ihre Muttersprache lieben und stolz auf ihre Geschichte sein und darauf, Teil einer großen Nation zu sein. Sie sollten Geschichte erschaffen, die bleibt. Davon träume ich.“

Übersetzung: Georgetta Janewa

Fotos: Maja Nikolowa

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