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Mariä Verkündigung – Hochfest der Sophien-Kirche

Vater Angel Angelow: „Mit der Kraft des Glaubens, den wir seit Jahrhunderten aufrechterhalten, werden wir leicht der Herausforderung trotzen!“

Foto: Maria Peewa

Die Kirche „Heilige Sophia“, die sich im Zentrum der bulgarischen Hauptstadt befindet, ist als Namensgeberin der Stadt untrennbar mit ihrer Geschichte verbunden und gilt als eines ihrer Symbole. Das Gotteshaus ist der Weißheit Gottes geweiht und nicht wie viele annehmen der heiligen Sophia. Nichtsdestotrotz feiert Sofia sein Stadtfest am 17. September, dem Tag, an dem die Kirche diese Märtyrerin ehrt.

Die Sophien-Kirche ist zu Ehren des Sohnes Gottes errichtet worden, der als wichtigste Erscheinung der Weißheit Gottes gilt. Am Tag der Verkündigung des Herrn, bekannt auch als Mariä Verkündigung, am 25. März wurde der Menschheit die Geburt des Erlösers kundgetan. Aus diesem Grund gilt dieser Tag als Hochfest dieser Kirche, da die Weißheit Gottes geehrt wird, die die Menschheit erlöst.

Foto: BGNES

Die Kirche „Heilige Sophia“ ist ein Kulturdenkmal, zumal sie zu den ältesten erhaltenen Kirchenbauten der Balkanhalbinsel gezählt wird“, erzählt der Kirchenvorsteher Vater Angel Angelow.

Foto: Archiv

Das Bauwerk, das wir heute sehen, stammt aus dem Ende des 5. und Anfang des 6. Jahrhunderts. Die Kirche fußt auf den Grundmauern von 4 Vorgängerbauten, wobei der älteste in das 3. Jahrhundert datiert wird. In jener Zeit fanden im Römischen Reich große Christenverfolgungen statt. An diesem Ort, der sich am Rande des damaligen Ostfriedhofs von Serdika (wie Sofia zu römischer Zeit hieß) befand, wurden die Opfer dieser Verfolgungen beigesetzt. Der erste Kirchenbau war den Märtyrern geweiht. Man weiß heute nicht, ob sie bereits damals den Namen „Heilige Sophia“ trug. In den darauffolgenden Jahrhunderten wurde die Kirche an dieser Stelle mehrmals zerstört und immer wieder aufgebaut, bis schließlich im 6. Jahrhundert eine typisch byzantinische Basilika errichtet wurde, wie wir sie heute sehen.“

Foto: bulgariatravel.org

Die Sophien-Kirche erfreute sich großen Ansehens, so dass im 14. Jahrhundert ihr Name auf die Stadt übertragen wurde. In der Zeit des Zweiten Bulgarenreichs (1185-1396) wurde der damalige Sitz des Bischofs von Drastar (heute Silistra), in dem zuweilen auch der Patriarch residierte, angegriffen und zerstört. Daraufhin wurde die Sophien-Kirche zu einer Bischofskirche erklärt. Einige Überreste von Wandmalereien aus dem 12. Jahrhundert bezeugen die wichtige Rolle, die diese Kirche zu spielen begann.

Mit der Einnahme Bulgariens durch die Osmanen änderte sich alles:

Die Kirche diente eine Zeit lang als Moschee. Sie war jedoch nicht mit Gewalt eingenommen worden“, erzählt weiter Vater Angelow. „In der Zeit der osmanischen Fremdherrschaft wurden sich die verbliebenen Christen bewusst, dass sie eine so große Kirche nicht unterhalten können und sie wurde in ein moslemisches Gebetshaus umgestaltet. Das Gebäude wurde während zwei schweren Erdbeben (1818 und 1858) stark in Mitleidenschaft gezogen. Während des einen wurde eines der Kinder des Mullah von herabfallenden Teilen getötet. Das wurde von den Türken als ein Zeichen Gottes gedeutet und die Moschee wurde aufgegeben. Das Gebäude befand sich in der Zeit der Befreiung Bulgariens im Zuge des Russisch-türkischen Krieges von 1877/78 in einem verwahrlosten Zustand. Später wurde es wieder instand gesetzt und mehrmals restauriert, bis das Gebäude sein heutiges Aussehen erhielt.

Foto: wikipedia

Vor einigen Jahren fanden in der Kirche umfangreiche Ausgrabungen statt, bei denen die Fundamente der Vorgängerbauten und etliche römische Grabbauten freigelegt wurden. Sie stammen aus dem 2. bis 4. Jahrhundert. Ans Tageslicht kamen Wandmalereien und Mosaiken, die in den freigelegten Gängen unter der Kirche besichtigt werden können. Gezeigt wird auch ein Modell - ein Rekonstruktionsversuch des antiken Stadtbilds. Leider ist die Exposition im Zusammenhang mit der Ausbreitung der COVID-19-Seuche, wie übrigens alle anderen Museen und Ausstellungen auch, nicht zu sehen.

Foto: Archiv

Vater Angelow richtete sich anlässlich der Verkündigung des Herrn mit folgenden Worten an uns:

In diesen Tagen gibt es nur eine Botschaft. Uns wird eine Prüfung auferlegt. Ich weiß nicht, inwieweit wir, Bulgaren, uns dessen bewusst sind. Langsam wird es aber für alle sichtbar, was uns bevorsteht. Wir müssen Disziplin und Verantwortung jedem gegenüber zeigen. Mit der Kraft des Glaubens, den wir seit Jahrhunderten aufrechterhalten, werden wir leicht der Herausforderung trotzen! Das ist meine Botschaft: ein tiefer, starker und wahrer Glaube, den wir in uns tragen und nun auf entschiedene Weise zeigen müssen. Wir dürfen auch die Verantwortung nicht vergessen, denn jeder wahrhaft gläubige Mensch ist stets verantwortungsbewusst!

Foto: BGNES

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

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