Rajna Knjagina, die erste gelernte Hebamme im befreiten Bulgarien, soll mit einem Museum gewürdigt werden

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Den Bulgaren ist Rajna Knjagina als die heldenhafte Frau bekannt, die die Fahne für die bulgarischen Freiheitskämpfe genäht hat, die heute das nationale Ideal für Freiheit verkörpert. Bekannt ist sie aber auch für ihre wohltätige Mission, als erste diplomierte Geburtshelferin den Grundstein für die Geburtshilfe in Sofia zu legen.

Das Haus von Rajna Knjagina in Sofia steht im Viertel Banischora, das heutige Serdika. In diesem Viertel wurden die Helden, die für die Befreiung Bulgariens gekämpft haben nach 1878 mit Land ausgestattet, erzählt Tanja Dragoewa-Hristowa, eine entfernte Verwandte von Rajna Knjagina.

Das Haus in der Sofronij Wratschanski Straße 119 bezog Rajna Knjagina im Jahr 1898, nachdem sie die Folter in den türkischen Gefängnissen überlebt und es geschafft hatte, in Moskau den Beruf der Hebamme zu erlernen.

Nach der Ermordung ihres politisch verfolgten Gatten, Wassil Ditschew, blieb Rajna Knjagina mit ihren 5 Söhnen und dem Mädchen Gina, das sie angenommen hatte, allein zurück. Obwohl sie von Knochentuberkulose schwer gezeichnet war, schaffte sie es, in diplomatischen Vertretungen aber auch in Armenvierteln Hunderten Kindern zu helfen, das Licht der Welt zu erblicken, gründete die ersten Schulen für medizinische Ausbildung, eine Entbindungsklinik, heute ein großes Universitätsklinikum für Gynäkologie und Geburtshilfe und Lehrgänge für Geburtshelferinnen zu leiten.

Rajna Knjagina nahm von den Armen kein Geld und war immer zur Stelle, wenn sie gebraucht wurde, bezeugen ihre Zeitgenossen. Wenn sie nicht mit einem Pferd oder Pferdekutsche abgeholt werden konnte, eilte sie mit ihrem Gehstock herbei, um bei der Geburt zu helfen. Oft soll sie mit Bedürftigen ihr Essen geteilt haben.

Mit Hilfe von Spenden soll in eineinhalb Jahren das Museum von Rajna Knjagina im Hauptstädtischen Viertel Serdika entstehen, hofft der Bürgermeister Todor Krastew. Er erzählt, dass im unteren Stockwerk eine Sammlung aus den Erinnerungen und Erzählungen ihrer Nachkommen, Fotografien und Dokumente, die sie zur Verfügung gestellt haben, ausgestellt werden soll.

Das Museum wird die Akzente nicht auf ihre revolutionäre Tätigkeit setzen sondern darauf, dass Rajna Knjagina die Grundlagen der Geburtshilfe in unserer Hauptstadt gelegt hat“, unterstreicht  Bürgermeister Todor Krastew. „Das Museum wird auch über ihre Söhne erzählen, die echte Helden waren. Ob es später zu einem interaktiven Museum werden wird, das besser das Interesse der Kinder und Jugendlichen anzieht, ist noch nicht entschieden“, sagt der Bürgermeister.

Im zweiten Stockwerk soll auf Vorschlag der Nachkommen von Rajna Knjagina ein Museum des Widerstands eingerichtet werden, denn das heutige Viertel Serdika war früher hauptsächlich von Menschen bewohnt, die viel für die Befreiung Bulgariens von der türkischen Fremdherrschaft getan haben.

Tanja Doganowa-Hristowa hofft, unter den Exponaten auch das Gemälde von Rajna Knjagina zu finden, dass sie in ihrer Kindheit so fasziniert hat.

Ich habe sie immer als eine sehr schöne Frau mit Esprit gesehen, als ein entschlossener und sehr weiser Mensch, der die anderen Menschen über alles geliebt hat. All das ist in ihren Gesichtszügen erkennbar“, sagt Tanja Doganowa-Hristowa und betont, dass sie als Regisseurin spricht. Sie erinnert sich auch an einem weiteren großen Gemälde von Rajna Knjagina im Haus ihrer Urenkelin Olga Diptschewa. „Als ich als Kind in dieses Gesicht geblickt habe, habe ich immer die faszinierende Liebe zu den Menschen gespürt, ihren gütigen und weisen Blick als wolle sie uns ermahnen, gemeinsam unsere Heimat zu verändern.

Übersetzung: Georgetta Janewa

Fotos: Archiv und Privat

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