Der Schriftsteller Martin Raltschewski: Wir müssen an den Fortbestand Bulgariens glauben

Foto: Privatarchiv

Bei dem immer stärker um sich greifenden Konsumdenken gelangen der Glauben an Gott und die Ewigkeit zunehmend ins Hintertreffen. Trotzdem gelingt es dem Schriftseller Martin Raltschewski*, in seinen Büchern aufrichtig und offen an die ewigen christlichen Botschaften zu erinnern, in der Hoffnung auf eine geistige Renaissance. Und das tut Martin Raltschewski nicht nur, weil er die Theologische Fakultät an der Sofioter Universität „Heiliger Kliment von Ochrid“ absolviert hat, sondern weil seiner Ansicht nach das Gute an Kraft und Sinn verliert, wenn es aus dem Kontext des Glaubens genommen wird. Unlängst hat Martin Raltschewski sein neuestes Buch vorgesellt – „Der Sinn des Lebens“, wozu er auch ein Drehbuch verfasst hat. Das Buch handelt von der Entvölkerung der Rhodopen und der schwindenden bulgarischen Identität.

Ich hoffe zutiefst, dass dieses Buch zeigt, wie allein mit Hilfe des Glaubens ein einziger Mensch ein ganzes Gebirge oder eine Handvoll Menschen oder sogar einen ganzen Staat zum Guten wenden können“, erklärt der Schriftseller. „Genau wie sich alle dem Schönen und Wahren zuwenden, so trägt auch der reine, unverfälschte Glauben eine starke Botschaft in sich. Wenn ein einzelner Mensch mit ganzem Herzen beschließt, dass er das Bulgarische in den Rhodopen nicht zugrunde gehen lässt – und ich glaube daran! – dann wird dieser Glauben auf andere zwei, drei, vier, fünf Menschen übergreifen. Sie werden sich zusammentun und wir werden die Rhodopen nicht preisgeben! All die ländlichen Gegenden, das entvölkerte Bulgarien – wir werden sie nicht preisgeben! Es mag sein, dass ich übertriebener Optimist bin, aber ich glaube daran! Verstehen Sie? Wir müssen glauben!

Aus diesem Grund hofft Martin Raltschewski, dass die Geschichte, die er in seinem Buch beschreibt, auch verfilmt wird. Zumal in Bulgarien seit der Wende kein einziger christlich-orthodoxer Spielfilm gedreht wurde. Während der letzten 30 Jahre haben die Russen 120 solche Filme aufgenommen, die Rumänen und Serben ziehen ebenfalls mit, ganz zu schweigen von den Griechen, die ihre orthodoxen Traditionen hoch in Ehren halten und entsprechend pflegen.

Wir haben keinen einzigen solchen Film gemacht. Ich habe auch das Drehbuch verfasst. Es ist nicht viel Geld nötig. Ich träume davon, dass sich ein guter wohlhabender Mensch dieser Sache annimmt. Wir verfügen nicht nur über ein Drehbuch, sondern auch über einen Regisseur und einen Produzenten. Ich würde gern hoffen, glaube aber nicht so recht daran, dass der bulgarische Staat etwas sponsert, was mit der Spiritualität dieses Volkes verbunden ist. Unser Staat verfolgt ganz andere Ziele – proeuropäische, proatlantische, neoliberale… Aus diesem Grund denke ich, dass ein reicher Mensch, der Bulgarien liebt, helfen könnte, diesen Film aufzunehmen.“

Was könnte die Bulgaren, die im Ausland leben, zur Rückkehr in die Heimat bewegen und der neuesten bulgarischen Geschichte zu neuen positiven Nuancen verhelfen? Ein Wunder vielleicht? Ein solches, wie es Martin Raltschewski in seinem Buch über die Rhodopen schildert.

Ja, es ist in der Tat eine dramatische Geschichte, die aber ein starkes glückliches Ende hat. Das würde ich auch Bulgarien wünschen, nach den vielen Dramen und Leiden – dass es am Ende zur Wiedergeburt und zum Aufschwung kommt. Warum nicht? Ein Mensch, der eine sehr schwere Krankheit überstanden hat, kann auch wieder vollkommen gesundwerden und ein neues Leben beginnen. Er wird die Erkrankung in Erinnerung haben und deshalb vorsichtiger sein, er wird das Trinken und Rauchen aufgeben, wird auf seine Ernährung achten und ein vollkommen neuer und gesunder Mensch werden. So soll auch mein Buch Hoffnung machen, dass eine solche Wiedergeburt Bulgariens möglich ist, aber nicht als politisches Projekt oder etwas Erdachtes! Eine Wiedergeburt ist ohne Gott, ohne die Liebe zum orthodoxen Glauben und zur bulgarischen Sprache nicht möglich. Aus diesem Grund reden wir von einem wahren Wunder, das ich beschrieben habe. Mehr will ich aber nicht verraten. Die Leser sollen es selbst herausfinden und eine Katharsis erleben. Deshalb möchte ich, dass meine Botschaft möglichst viele Menschen erreicht. Sollte mein Traum von einem Film wahr werden, dann könnte dieser Film Tausende, sogar Millionen Bulgaren erreichen. Ein Film passiert die Grenzen über die Sozialnetze. Es geht hier nicht um Geld, sondern um den Glauben: „Du bist ewig, du hast eine Seele und Gott liebt dich!“ Was könnte es Herrlicheres geben? Und – Bulgarien wird fortbestehen!


* Die Schriftstellerkarriere von Martin Raltschewski begann vor 15 Jahren in Mexiko, wo er als Stuntmann im Film „Troja“ (2004) mitwirkte, in dem Brad Pitt die Hauptrolle spielt. Dort verfasste Martin Raltschewski Gedichte auf Bulgarisch und Englisch. Nach seiner Rückkehr nach Bulgarien schrieb er seinen ersten Roman „Endlose Nacht“ (2008), der bereits auf Englisch und Russisch erschienen ist. Seit zehn Jahren lebt er mit seiner Familie im Südwesten Großbritanniens, wo er weiter Romane, Erzählungen und Drehbücher schreibt. Sein Roman „30 Pounds“ (2012) wurde auch auf Deutsch herausgebracht. Sein Erzählband „Seele“ (2018) hielt sich laut der populären Klassierung „BG Buch“ monatelang als Bestseller in Bulgarien.

Übersetzung: Rossiza Radulowa

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