Nach seinen Erfolgen in Hollywood möchte Antony Christov seinen Nachfolgern in Bulgarien den Weg ebnen

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Es gibt wenige Bulgaren, die maßgeblich an der Produktion von Blockbustern in Hollywood beteiligt waren, doch es gibt sie und einer von ihnen ist zweifellos Anthony Christov. Sein Name erscheint im Abspann neben den Schöpfern von populären Animationsfilmen. Als künstlerischer Direktor des heute weltbekannten Animationsstudios Pixar gibt er im Laufe von 18 Jahren seiner Phantasie freien Lauf und erfindet einige der beliebtesten Animationsfiguren wie die Meeresbewohner von „Findet Nemo“, die Figuren aus der Reihe „Die Autos“, den Roboter vom Phantasiefilm „WALL·E – Der Letzte räumt die Erde auf“ und viele andere.

Bevor er in die magische Welt der Animation abtaucht, hatte Anthony Christov ein bewegtes Leben, das an Abenteuer grenzt. 1981 fasste er den Beschluss, Bulgarien zu verlassen, ohne ein klares Ziel zu haben, wohin die Reise gehen soll. Wie er heute sagt, aus reinem Rowdytum. Er überquerte die Grenze zu Jugoslawien, hielt sich im Flüchtlingslager auf und gelangte nach Österreich, um 6 Monate später in die USA zu reisen. Jahrelang arbeitete er in Hotels, Fastfood-Restaurants und kleinen Werbestudios, um sich durchzuschlagen. Das Talent des Bulgaren wurde jedoch bemerkt und er hatte die Chance, in den Disney-Studios Zeichnungen zu vereinfachen und zu bereinigen. Erst später gelangte er zu Pixar, damals noch ein relativ kleines und unbekanntes Unternehmen mit 200 Angestellten. 18 Jahre später hat Pixar 1400 Mitarbeiter und ist weltberühmt.

„Ich hatte anfänglich keine Ahnung, dass ich in den USA mein Brot auch mit Zeichnen verdienen kann“, gibt Antony zu. „Allmählich begriff ich aber, dass es möglich ist. Ich begriff auch, dass in jedem Beruf, wenn es um höhere Positionen geht, Bekanntschaften und Kontakte wichtig sind. Du brauchst Leute, die dich und dein Talent kennen, du musst sie überzeugen, dass sie mit dir rechnen können, dass du zuverlässig bist und im Team arbeiten kannst.“

Eine der wichtigsten Phasen bei der Entstehung eines Animationsfilms ist das Zeichnen der Trickfiguren. Für jeden Zuschauer ist es wichtig zu erfahren was den Trickfilmzeichner bewegt hat, eine bestimmte Figur zu erfinden.

„Eigentlich ist die Geschichte, die du erzählen willst, das Wichtigste. Die Geschichte bestimmt die Figuren“, unterstreicht Antony Christov. „Das, was wir im Leben tun, unsere Tätigkeiten und Aktionen offenbaren unseren Charakter und bestimmen wer wir sind und wie wir in der gegebenen Situation handeln werden. Deshalb wird die Trickfilmfigur aus einer konkreten Situation geboren“, lautet seine Philosophie.

Was die Inspiration anbelangt, sagt der Künstler, kann sie aus allem, was wir erleben, sehen und spüren entspringen. Hat er nach der harten Arbeit und dem großen Erfolgen je daran gedacht, ein eigenes Studio gründen?

„Nein, das ist uninteressant für mich“, antwortet Antony Christov überraschend. „Ich habe bereits ein solches Alter erreicht, in dem ich etwas der Nachwelt hinterlassen möchte, etwas, das verschieden ist.

Nach fast zwei Jahrzehnten an der Spitze der Weltanimation lebt Antony heute wieder in Bulgarien, weil er nie daran gedacht hat, für ewig hinter dem großen Teich zu bleiben. Sein Weg in die Heimat führt ihn über Rom, wo er 2010 ein Zentrum für digitale Künste gründet und selbst dort unterrichtet. Momentan ist er dabei, in Sofia eine Akademie für digitale und visuelle Künste zu gründen. Sein Wunsch ist es, junge Talente zu entdecken, auszubilden und zu motivieren, im Land zu bleiben. Außer Handwerksfähigkeiten für eine Reihe neuer Berufe, möchte Antony Christov seinen Schützlingen beibringen, was Teamarbeit bedeutet, denn nach seiner Ansicht ist der Bulgare zu sehr ein Individualist. „Das ist nicht unbedingt ein schlechter Charakterzug, doch um eine erfolgreiche Industrie zu entwickeln, werden maximal organisierte und für Teamarbeit offene Mitarbeiter gebraucht.“

Übersetzung: Georgetta Janewa

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Foto: Xinhua / BTA

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